Wie vielbegabte selbständige Frauen in ihre Kraft kommen
*Werbung* | Gastautorin Jana Landolt
Vergesslich, chaotisch, erschöpft – wie vielbegabte selbständige Frauen in ihre Kraft kommen
Du bist selbständig, vielseitig, kreativ, motiviert – und trotzdem kommst du an vielen Tagen überhaupt nicht ins Tun. Du arbeitest an zehn Ideen gleichzeitig, aber bringst kaum eine wirklich zur Umsetzung. Du verlegst ständig deine Sachen, machst versehentlich Doppelbuchungen bei deinen Terminen oder schiebst Aufgaben endlos auf. Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, bist du nicht allein!
Viele selbständig arbeitende Frauen mit ihren vielen Begabungen erleben genau das: Ein Alltag voller Energie, Ideen und Ambitionen – und gleichzeitig wiederkehrende Erschöpfung, Selbstzweifel und Chaos. Nach aussen wirken sie souverän, stark und selbstbestimmt. Was kaum jemand sieht, ist der Preis, den sie zahlen: ein ständiger innerer Kampf, den sie sich selbst nicht erklären können.
Warum gerade selbständige Frauen oft an sich zweifeln
Selbständigkeit bietet Freiheit – und auch viel Verantwortung, Suche nach Strukturen und Eigenmotivation. Ein eigenes Business zum Laufen zu bringen braucht Geduld, Standhaftigkeit und Entscheidungsfreudigkeit. Ein Geschäft erfolgreich aufrecht zu erhalten benötigt Durchhaltevermögen, einen gesunden Optimismus und Fokus über lange Zeit.Viele Frauen schaukeln zudem nicht nur ihr Business, sondern parallel dazu Familie, Beziehungen, Haushalt und Emotionen. Diese prächtige Fülle des Lebens verursacht oft Überforderung. Wer dabei besonders empfindsam, ideenreich oder impulsiv ist, verliert den Faden umso mehr und wird schnell von der eigenen konstruktiven Kritikerin zur eigenen Richterin. Das Gefühl „Ich krieg das nicht hin!“ und „Alle anderen schaffen das locker, warum ich nicht?“ begleitet viele, obwohl sie objektiv sehr viel leisten. Die innere Richterin verurteilt, und das meistens zu eigenen Ungunsten: „Du machst zu wenig oder das Falsche“, „Du gaukelst allen etwas vor, was du gar nicht kannst“ – solche innere vernichtende Selbstgespräche kosten Kraft und laugen aus.
Was, wenn diese zermürbenden Situationen keine Zeichen deiner persönlichen Unfähigkeit oder einer Schwäche deines Charakters sind, sondern Anzeichen von einer besonderen Art zu denken und zu fühlen? Was, wenn dein Gehirn vielleicht einfach anders tickt als das der grossen Mehrheit? Was, wenn all das Anzeichen dafür sind, dass du vielleicht ADHS-betroffen bist?
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ADHS sieht bei Frauen oft anders aus
Vielleicht hast du bisher bei ADHS an laute, zappelige Jungs gedacht, nicht an dich. ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeits-Defizit Hyperaktivitäts-Störung/Syndrom und ist neurologisch bedingt. Es kommt bei Menschen jeden Alters und Geschlechts vor.
Die Bezeichnung „Störung“ hebt hervor, dass Betroffene durch ihr ADHS in verschiedenen Lebensbereichen stark beeinflusst und sogar beeinträchtigt werden. Im Alltag, in der Schule, bei der Arbeit, in Beziehungen. Ich persönlich sehe ADHS nicht als Störung und verwende das „S“ lieber als Abkürzung für „Syndrom“: Ein Syndrom ist eine Gruppe von Merkmalen, die zusammen auftreten. Bei ADHS sind das typischerweise Ablenkbarkeit, Impulsivität und Hyperaktivität.
ADHS äussert sich bei Frauen oft unerwartet und leise: Enormes Aufschieben, Zerstreutheit, Mühe mit Prioritäten setzen, Reizempfindlichkeit, hohe Sensibilität und emotionale Erschöpfung sind ganz typisch. Die Hyperaktivität zeigt ich durch stetige innere Unruhe und Gedankenkreisen, nicht als Bewegungsdrang.
Weil von ADHS insbesondere die sogenannten „Exekutivfunktionen“ und die Reizfilterung betroffen sind, welche wir für eine längerfristige Zielerreichung und die Umsetzung von Ideen benötigen, sind unter anderem folgende Dinge sehr schwierig:
- Planung und Organisation
- Konzentration
- Zeitmanagement
- Impulssteuerung
- Stimmungsregulation
Betroffene Frauen kompensieren diese Herausforderungen häufig durch ganz starken Perfektionismus und Härte mit sich selbst – bis sie nicht mehr können. In jungen Jahren klappt das erstaunlich gut. Wenn sich die Lebensumstände verändern, mehr Stress dazukommt, Kinder, ein Umzug oder Stellenwechsel, kippt das System. Die Überforderung nimmt Überhand, gefolgt von Kraftlosigkeit und Erschöpfung. Auch das kann kompensiert werden über einige Jahre. Manchmal kommen jedoch Angststörungen und Panikattacken dazu, Essstörungen, Depressionen, manchmal sogar gefolgt von Klinikaufenthalten.
Therapien greifen nicht wirklich, solange die wahre Ursache des Leidens nicht gesehen und behandelt wird – wie eben eine unerkannte ADHS. Kommen dann die Hormonveränderungen im Zuge der Wechseljahre hinzu, verstärken sich die Symptome. Vergesslichkeit, Zerstreutheit, Müdigkeit und Depressionen sind nicht selten. Chaos, Selbstzweifel und Selbstvorwürfe verstärken sich. Obschon die Selbständigkeit gerade in diesen Jahren immer stärker ersehnt wird, reicht die Aufmerksamkeit und die Kraft nicht mehr dafür. Selbstfindungsseminare, Business-Coachings und ähnliches helfen meist kurzzeitig, aber es scheint immer ein entscheidendes Puzzleteil zu fehlen. Das verstärkt deine Wahrnehmung, irgendwie anders zu sein und irgendwie falsch. Doch ich möchte dich von Herzen bestärken:

Du bist nicht falsch. Dein Gehirn funktioniert vielleicht einfach anders.
Wenn du dich in diesen Beschreibungen wiedererkennst, könnte es sich lohnen, die Vorurteile abzulegen und das Thema ADHS mit offenem Blick einmal auf dich bezogen zu betrachten. Es geht nicht um Etiketten und Schubladen, sondern um eine mögliche Erklärung, um Entlastung und um neue Möglichkeiten. Wenn du es ganz genau wissen möchtest, empfehle ich dir eine ADHS-Testung bei einem Psychiater oder einer Neurologin.
Um deinen Alltag etwas leichter zu gestalten, möchte ich dir nun einige erprobte Impulse aus meinem ADHS-Coaching schenken.
Schritte zur Selbststärkung und Selbstorganisation
- Arbeite klein. Ein realistisches Tagesziel ist mehr wert als zehn offene To-dos!
Vermutlich arbeitest du mit einer To Do-Liste, möglicherweise sogar mit mehreren. Die schiere Fülle deiner offenen Aufgaben hat eine lähmende Wirkung. Nimm dir pro Tag ein realistisches Ziel vor. Und ja, du liest richtig: EIN Tagesziel. Nimm dir EINE Aufgabe deiner Liste vor und bearbeite diese. Wenn du sie geschafft hast und immer noch Zeit und Energie übrig sind, kannst du gerne spontan noch eine oder zwei weitere Aufgaben rauspflücken und erledigen.
- Erlaube kreatives Chaos – mit einem Rahmen.
Kreieren und gestalten zu können, was das Herz begehrt, klingt erstmal wundervoll. Doch es gibt viele Frauen, die durch diese grosse Freiheit schlicht überfordert sind und nicht mehr ins Tun kommen. Es kann helfen, einen Rahmen zu schaffen, in dem du dich kreativ entfaltest. Plane dir bewusst bestimmte Zeitfenster ein für deine Kreativität. Bringe dich davor in Stimmung, indem du deinen Schaffensort passend auswählst, Musik, Bewegung, Inspiration als Impulse verwendest, vielleicht auch andere Menschen. Nutze Tools, die dir einen passenden Rahmen geben und dennoch Kreativität zulassen. Zum Beispiel Whiteboards, Mindmaps, Collagen, Timer. Visualisiere deine Ideen und zerdenke sie nicht.
- Achte auf deinen Energiehaushalt.
Plane bewusst Pausen ein, in denen du dich erholst – besonders auch zwischen Terminen. Suche dir einen reizarmen Ort dafür aus, verzichte auf den Bildschirm und achte sorgsam darauf, was dir guttut und dein Nervensystem reguliert. Für manche Frauen kann das eine ruhige Meditation sein, für andere ist Bewegung passender.
- Denke und agiere zyklisch.
Beobachte und halte fest, wann deine Energie besonders tief oder hoch ist, und plane das mit ein. Das betrifft Phasen in deinem Menstruationszyklus, aber auch Tageszeiten und Jahreszeiten. Nutze deine energievollen Perioden bewusst. Und erlaube dir Rückzug und Regeneration in den Phasen, wo dir weniger Energie zur Verfügung steht. Wir Frauen sind zyklisch, lasst uns das auch leben!
- Hole dir Unterstützung.
Nimm Menschen mit ins Boot, die dich nähren und stärken. Das können Freunde sein oder auch Fachpersonen, die dich verstehen. Bereits die Anwesenheit eines anderen Menschen kann dir helfen, ins Handeln zu kommen, sei es live oder auch online. Sprich über deine Blockaden, suche dir eine Co-Working-Gruppe, bitte eine Freundin, sich an deine Seite zu stellen, wenn dir gerade etwas schwer fällt. Mute dich zu, und traue anderen zu, damit umgehen zu können.

Mehr zur Vertiefung - mein Angebot
In meinem Buch „Anders und richtig!“ teile ich mein Wissen und meine Erfahrungen aus der Arbeit mit Frauen mit ADHS. Es bietet Verständnis, Beispiele und konkrete Anregungen für deinen Alltag. Es richtet sich in erster Linie an junge Frauen oder Mädchen, doch es gibt Menschen jeden Alters wertvolle Impulse.
Besonders am Herzen liegen mir auch meine Coachinggruppen für Frauen mit ADHS (vermutet oder diagnostiziert). Diese 6teiligen Kurse bringen betroffene Frauen zusammen in einem wertschätzenden, geschützten Raum. Jeder Abend steht unter einem ADHS-typischen Thema wie Stärken finden, Planung, Kommunikation, Selbstregulation etc. Auch der Austausch unter Gleichgesinnten hat viel Platz. Die Gruppen finden online oder in Basel/CH statt.

Gastautorin
Mit Herz, Humor und einem feinen Gespür für Menschen bin ich Coach, Autorin und psychologische Beraterin. Animo Coaching bietet einen geschützten Raum, in dem sich meine Klient:innen gesehen, verstanden und gestärkt fühlen, insbesondere auch mit ihrer ADHS.
Jana Landolt, Animo Coaching
2 Antworten
Toller Artikel! Danke liebe Jana, für Deine so wertvolle Arbeit!
Ich sage DANKE – auch im Namen von Jana 🙂